Die Kälte der Teufel - Kriminalroman
 
 
 
 

Die Kälte der Teufel

Im allgemeinen Bewusstsein werden Literaturwissenschaftler ja nicht unbedingt mit Spannung und Abenteuer verbunden. Warum haben Sie in "Die Kälte der Teufel" ausgerechnet einen Professor als Ermittler gewählt?

  • JJ: Literaturwissenschaftler sind eine völlig unterschätzte Spezies. Wer sonst könnte es gleichzeitig mit zwei temperamentvollen Frauen und einem Psychopathen aufnehmen?

Apropos Psychopath, warum haben Sie entschieden, Will Lloyd zu so einem Charakter werden zu lassen, der er ist?

  • JJ: Interessant, dass Sie bei "Psychopath" direkt nach Will fragen ... Ich hätte vielleicht als erstes an die Bathory und Mr Headman gedacht.                                                                     

Mr Headmans Rolle und Aufgabe in der Geschichte sind zu Beginn völlig unklar, doch sukzessive wird er eindrucksvoll über eine Person mit der Handlung verwoben, die niemals selbst zu Wort kommt. Planen Sie so etwas oder entsteht das im Prozess? 

  • JJ: Ich plane tatsächlich, worauf die einzelnen Szenen hinauslaufen sollten und was sich anschließen müsste. Das heißt jedoch ganz und gar nicht, dass es beim Schreiben dann auch derart passiert. Es ist also immer eine Mischung aus beidem.

Beide, Jenna und Maja, sind ja kaum einzeln zu denken, so eng scheinen Sie miteinander verbunden. Dennoch sind die Charaktere der beiden Frauen so unterschiedlich, dass sie auch solo ihre Wirkung entfalten. Verraten Sie vielleicht in einem weiteren Band noch mehr über die noch verborgenen Hintergründe der beiden?

  • JJ: Mit der Antwort würde ich ja nun automatisch verraten, ob die Frauen überhaupt "Die Kälte der Teufel" überstehen. Wer weiß ...

Warum ist es eigentlich ein Kriminalroman geworden und keine Liebesgeschichte oder Thriller?

  • JJ: Bei Thrillern und auch Liebesgeschichten geschehen mir zu viele Dinge, die wenig mit normaler zwischenmenschlicher Kommunikation gemein haben, z.B. Liebesgeständnisse, Folter- und Mordszenen ... Den Krimi empfinde ich als gute Projektionsfläche für alle möglichen Spielarten von Kommunikation.                                                                                                                           

Könnte es sein, dass sich die Charaktere aus "Die Kälte der Teufel" in einer Fortsetzung wiedersehen werden?

  • JJ: ...


Schreiben


Setzen Sie sich einfach an den Schreibtisch und legen los, wenn Ihnen danach ist oder gibt es bestimmte Arbeitsweisen?

  • JJ: Ich finde es toll morgens zu schreiben, wenn viele Menschen noch schlafen, also eigentlich vor dem Aufstehen. Meistens bin ich selbst noch nicht richtig wach. Wirklich interessant, was dann dabei herauskommt manchmal ... Außerdem habe ich mir noch nie zum Ziel gesetzt, eine bestimmte Anzahl von Wörtern zu schreiben und das letzte für mich wäre eine Software, die dies auch noch automatisch zählt!

Beschreibungen z.B. ist ein Thema, zu dem jeder Schriftsteller eine eigene Meinung hat. Wie gehen Sie damit um?

  • JJ: Ich war anfangs immer versucht, die Bilder, die ich selbst im Kopf hatte, auch auf's Papier zu bringen. Aber ich nehme an, Leser bekommen lieber nur hier und da einzelne Maschen geliefert und können sich dann ihre eigene Geschichte damit weben.

Was ist für Sie Spannung?

  • JJ: Für mich als Leser ist das sehr einfach: Wenn ich ein Buch lese und lese und lese bis ich am Ende bin, ohne es weglegen zu können. Tatsächlich finde ich Unterhaltungen am Küchentisch spannend oder die erste Begegnung oder Abschiede oder große Enttäuschungen oder wunderbare Glücksmomente ... also eher das, was die Figurenentwicklung ausmacht.

Wie entsteht ein Plot?

  • Der erste Entwurf ist nur im Kopf und alles beginnt mit einer Grundidee. Alles, was danach kommt, vollzieht sich in Abhängigkeit. Sukzessive entsteht aus der einen Situation eine andere Situation. Manchmal geht man vorwärts und manchmal rückwärts, weil man im Prozess feststellt, dass dies oder jenes nicht geschehen kann, wenn nicht vorher etwas anderes passiert ist. Vielleicht kann man es auch nicht nur vorwärts und rückwärts denken, sondern noch oben und unten hinzunehmen. Manches muss parallel ablaufen, anderes darf sich nur zeitversetzt ereignen. Insgesamt erinnert der Prozess ein bisschen an ein Puzzle- oder Geschicklichkeitsspiel. Hier und da fallen Teile in die richtige Position, dafür verschieben sich jedoch wieder andere Inhalte und sind nicht mehr stimmig ... es schult die Geduld enorm ;-)

September 2019